Eine Tochtergemeinde zu gründen ist ähnlich wie ein Baby zu bekommen. Es gibt nie eine wirklich perfekte Zeit dafür.
Immer gibt es zahlreiche Gründe, warum man es nicht tun sollte. „Jetzt sind wir noch zu jung!“, „Jetzt haben wir nicht genug Geld!“
Pastoren außerhalb Deutschlands wurden befragt, was für sie die optimale Größe sei eine Tochtergemeinde zu gründen.
Völlig unabhängig davon, wie groß die eigene Gemeinde gerade war, wurde fast immer ein Wert genannt, der etwa 25% über der momentanen Größe lag.
Ich glaube, in Deutschland sähe das auch nicht anders aus.
Die Gründung einer Tochtergemeinde ist ähnlich einer echten Geburt. Es ist nie ein wirklich perfekter Zeitpunkt dafür vorhanden, wo es genügend Zeit, Geld, Energie usw. gibt.
Ein Geburtsvorgang ist immer etwas chaotisch – zumindest habe ich das immer so empfunden – ein Geburtsvorgang hat auch schwere, anstrengende Aspekte – schien mir zumindest so – aber am Ende wird ein wundervolles Leben geboren, dass über viele Jahre das Leben bereichert und das ganze Chaos und die Arbeit tritt in den Hintergrund, weil wir uns so freuen.
Viele unserer Gemeinden haben sehr hohe Ansprüche an den optimalen Zeitpunkt und daher eine viel zu starke Geburtenkontrolle.
Fritz Weidemann, der an mehreren Tochtergemeinden beteiligt war, sagte mir: „Die erste Gründung war die Schwerste. Da mussten wir noch so was wie ein Flies auslegen, damit alle dabei waren. Danach sah man, wie und worum es geht. Hinterher mussten wir auch mal die Tür zuhalten, weil alle von Gemeindegründung begeistert waren.“
Wir brauchen viel mehr Schwangerschaften, die auch so vorgesehen und absichtsvoll sind. Wenn wir dann das Leben sehen, das entsteht, werden wir mehr davon haben wollen.
Manchmal habe ich den Eindruck, dass Gott es liebt, uns zu überraschen. Kann es sein, dass wir uns manchmal bewusst nicht überraschen lassen wollen?
Wie wäre es, wenn gerade Leitungskreise und Pastoren etablierter Gemeinden aktiv nach geöffneten Türen zu suchen und dann auch mutig hindurchgehen …
… die eigene Gemeinde wird wahrscheinlich sehr profitieren (Artikel)
Sehr spannend!
Was mich noch interessieren würde ist, ob die Gemeinde Voraussetzungen im „geistlichen“ oder ähnlichen Bereichen mitbringen muss, z.B. dass sie gefestigt ist. Und für mich (als Prediger eine 60Mitglieder Gemeinde) ist noch die Frage, ob wir durch so ein Projekt nicht die Gemeinde überfordern können?
Aber genug der „Zweifel“ – ich finde die Gedanken sehr reizvoll!!
Die Frage ist doch immer, was war eher, das Huhn oder das Ei? Eine Gemeinde, die „gefestigt“ ist, kann sich bei einer Gründung vielleicht sogar schwerer tun, als eine Gemeinde, die sich noch in einer etwas chaotischen Anfangsphase befindet aber viel Kenntnis über gesellschaftliche Zusammenhänge besitzt.
Viel wichtiger, als ein Reifegrad, ist für mich die Motivation. Sind wir „Bewegt von Gottes Liebe …?“und wollen wir diese weitergeben? Oder ist es eine ganz andere Motivation, z. B. „Wir, wollen nicht so weit fahren …“
Zusätzlich mache ich die Erfahrung, dass Gemeinden, die dem Wert „Evangelisation“ einen hohen Stellenwert zumessen, auch im geistlichen Bereich gefestigter sind. Wenn Menschen immer dabei sind, die es nicht gewohnt sind in einen Gottesdienst zu gehen, werden einfach ganz natürlich Fragen gestellt, die herausfordern …
Ich glaube, dass diese Effekte – hervorgerufen durch eine Gründung einer Tochtergemeinde – auch dazu führen können, dass eine Muttergemeinde neu herausgefordert wird, die eigene Vision und Werte zu überprüfen.
In jedem Fall benötigt die Gründung natürlich möglichst einen oder mehrere geistliche Leiter, die authentisch und menschenzugewandt den Prozess gestalten.
Besten Dank für die Antwort Sascha!!
Ich bin froh in einem Gemeinde-gründenden Bund zu sein 🙂