Mehrwert ist mehr Wert …

Seit einiger Zeit hören wir immer wieder den Satz: „Es soll einen Unterschied machen, ob die Gemeinde in unserer Stadt da ist oder nicht“.
An dieser Stelle hat sich bereits, so stelle ich fest, ein kleiner Paradigmenwechsel vollzogen.
Das Bild der kleinen Herde, die im Industriegebiet hinten – dritte Drahtrolle links – möglichst versteckt auf den Himmel wartet, hat sich gewandelt hin zu einer Gemeinde, die ein Teil der Gesellschaft sein möchte, bis dahin, dass sie diese zumindest regional mitgestaltet.

Und doch, wenn wir auf die Homepages vieler unserer Gemeinden schauen, finden wir dort eigentlich sehr egozentrische Botschaften:

„Komm in unseren Gottesdienst“
„Wir haben tolle Musik!“
„Wir starten mit einer neuen Predigtserie!“

Wir meinen es nicht so und doch haben unsere Einladungen einen tendenziell selbstbezogenen Charakter nach dem Motto: Schau, was wir Tolles für dich haben, es wird dein Leben verändern.
Und ich glaube, dass viele Events die wir ja auch mit viel Mühe planen, wirklich das Potential haben, Menschenleben positiv zu verändern. Natürlich!
Und doch machen viele Gemeinden von uns die Erfahrung, dass die Menschen sich so nicht einladen lassen. Wir können noch so viele Scheinwerfer auf uns selbst richten und Selfie´s von unserer tollen Veranstaltungslandschaft schießen.

„Die Mütter aus der Krabbelgruppe kommen einfach nicht in unseren Gottesdienst …“

heißt es dann gefrustet.

Wir scheinen aber neben aller Selbstbezogenheit auf der anderen Seite auch schon am Beginn eines neuen Weges zu stehen:
Freikirchliche Gemeinden wollen an vielen Stellen heute gesellschaftsrelevant sein, sie wollen einen Mehrwert bieten.

So werden z.T. Aufgaben übernommen, die einfach der Gesellschaft dienen.
Es werden gemeinsam mit Vereinen und Politik Initiativen gestartet. Diese Initiativen sind in der Regel unverzweckt. Zumindest aus Sicht der Gemeinde. Das heißt, sie sind einfach darauf angelegt zu dienen und nicht gleichzeitig noch etwas anderes damit zu bezwecken. Das wir uns wünschen, dass andere Menschen den Halt des Glaubens auch erleben können, ist natürlich nicht einfach auszuschalten. Das ist aber nicht das Gleiche, wie wenn ich auf einer Veranstaltung etwas drauf schreibe und es eigentlich aber ein anderes Ziel gibt.
Zum Beispiel stand früher auf so manchem Abend „Lebensthema XY“ drauf, war aber „Evangelisation“ drin …
Warum ist das so wichtig zu reflektieren?
Nun, die Menschen haben durch die dauernde Werbebeschallung der heutigen Gesellschaft ein scharfes Gespür dafür entwickelt, ob sie wirklich wertgeschätzt werden oder ob es zum Beispiel nur um das Überleben und Wachstum der Gemeinde geht.
Planen wir ein tolles Ferienkinderprogramm auf dem Spielplatz um den Kindern eine tolle Zeit zu machen … oder eigentlich um die Eltern zum Gottesdienst einladen zu können?
Hat es einen Wert, dass „einfach Beziehungen“ entstehen? Auch wenn diese Menschen nicht direkt einen Gottesdienst besuchen werden?
Echtes Dienen öffnet Herzen. Das ist so! Aber es kann natürlich nicht dabei bleiben. Jesus „drehte sich der Magen um“, wenn er die biblisch gesprochen „Verlorenen“ sah. Auch wir dürfen Mitleiden angesichts mancher Herausforderungen unserer Mitmenschen. Wir sollen die kleinen und großen Nöte nicht verdrängen.
Und doch beginnt eben heute „Evangelisation“ = „Gute Botschaft“ zunächst an vielen Stellen mit dem praktischem Dienst an Menschen.
Leider bleiben manche Gemeinden dann dabei stehen, beim Dienst an der Gesellschaft. Warum? Nun, wenn wir als Christen helfen, diese Welt zu einer besseren Welt zu machen … dafür bekommen auch wir Applaus und positive Wertschätzung. Aber „Evangelisation“ eine Botschaft,  die von Jesus „als der Wahrheit“ spricht,  erscheint  als etwas, dass mit einem anderen gesellschaftlichen Paradigma kollidiert: Glaube ist Privatsache!
Wie kann nun beides miteinander verbunden werden?

Ein Schlüssel kann vielleicht sein, wirklich den Menschen in den Blick zu nehmen. Was bietet für denjenigen wirklich einen Mehrwert?
Welche Fragen werden von den Menschen hier wirklich gestellt? Welche Herausforderungen hat zurzeit mein Stadtteil? Was wird dringend benötigt?
… und zu guter letzt eben auch … Wie kann ich als Gemeinde und als Einzelner den Glauben erklären und erzählen, was er mir heute – 2000 Jahre nach Jesu Leben – bedeutet?

 

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